WARNUNG
BASEjumping ist eine extrem gefährliche Aktivität
Falling for Fame - Mythos oder Realität im modernen Basejumping
Diese Dokumentation untersucht BASEjumping, Social Media, Sponsoring, Sichtbarkeit, Risikokultur und Sicherheitspraktiken innerhalb des Sports. BASEjumping gilt weltweit als eine der gefährlichsten Aktivitäten. Die gezeigten Athlet:innen bewegen sich in Umgebungen, in denen Höhe, Wetter, Gelände und Timing nur sehr wenig Spielraum für Fehler lassen.
Die Teilnahme an diesem Sport ist nichts Beiläufiges. Erfahrene Springer:innen investieren oft Jahre in Fallschirmerfahrung, Mentoring, Materialkenntnis, Standortbeurteilung und Risikomanagement, bevor sie BASE Sprünge durchführen. Auch mit Vorbereitung, moderner Ausrüstung und grosser Erfahrung können schwere Verletzungen oder Tod eintreten.
Falling for Fame soll dokumentieren und informieren. Das Projekt bewirbt BASEjumping nicht, vermittelt keine Technik und fordert nicht zur Teilnahme auf. Bilder, Geschichten und Beobachtungen in diesem Projekt sollen nicht nachgeahmt werden. Besucher:innen sind eingeladen, das Thema kritisch einzuordnen, den Einsatz der Athlet:innen respektvoll zu betrachten und informierte Entscheidungen über Risiko, mediale Sichtbarkeit und persönliche Verantwortung zu treffen.
Keine Person auf dieser Seite, keine im Projekt gezeigte Person und niemand aus der Produktion übernimmt Verantwortung für Handlungen, die Besucher:innen nach der Auseinandersetzung mit diesem Material ausführen.

Sportkontext
Über den Sport
Ein paar Sekunden freier Fall. Jahre der Vorbereitung.
BASE Jumping ist ein Sport, der von Hingabe, Präzision und Konsequenz geprägt ist. Um die Geschichten dieser Dokumentation zu verstehen, hilft es, zuerst die Kultur, Geschichte und Realität des Sports selbst zu verstehen.
BASE
Was ist BASE Jumping?
BASE Jumping bedeutet, mit dem Fallschirm von festen Objekten statt aus Flugzeugen zu springen. Anders als beim Fallschirmspringen, bei dem Sprünge in grosser Höhe beginnen, finden BASE Sprünge oft deutlich näher an Gelände, Strukturen und Hindernissen statt.
Die verkürzte Zeit nach dem Absprung lässt nur wenig Spielraum für Fehler und erfordert umfangreiche Vorbereitung, spezialisierte Ausrüstung und fundierte Entscheidungen.
Auch wenn viele Beteiligte vom Abenteuer, der Herausforderung und dem Erkunden neuer Orte angezogen werden, bleibt BASE Jumping eine der risikoreichsten Freizeitaktivitäten der Welt.
Wofür BASE steht

01
B
Building
Gebäude und urbane Strukturen, bei denen Zugang, Wind und Landezonen komplexe Bedingungen schaffen.

02
A
Antenna
Antennen und Sendemasten, die häufig stark von Wetter und Zugangsmöglichkeiten geprägt sind.

03
S
Span
Brücken und ähnliche Spannweiten mit sehr unterschiedlichen Höhen, Luftströmen und Landeoptionen.

04
E
Earth
Felswände, Berge und natürliche Formationen, die besonders das alpine BASE Umfeld prägen.
Historische Entwicklung
Geschichte des BASE Jumpings
1783
Frühe Fallschirmexperimente
Fallschirmideen existieren lange vor dem modernen Sport. Bereits seit Jahrhunderten experimentierten Menschen mit Sprüngen von Türmen, Felswänden oder Ballons.

1970er
Carl Boenish
Ein Fallschirmspringer, Filmemacher und Pionier macht aus einzelnen Objektsprüngen eine erkennbare Aktivität. Seine Filme und seine Organisationsarbeit prägen die frühe Szene.

1978
El Capitan
Eine Serie von Sprüngen im Yosemite mit modernen Flächenfallschirmen wird zum Ursprungspunkt. Diese El-Capitan-Sprünge gelten häufig als Geburtsstunde des modernen BASE Jumpings.

1981
BASE Number System
Die vier Objektkategorien werden Teil der Identität des Sports. Wer Building, Antenna, Span und Earth absolviert hatte, konnte eine offizielle BASE Nummer beantragen, eine Tradition, die bis heute besteht.

1990er
Kleine Szene wächst
Wissen zirkuliert über Mentoring, persönliche Netzwerke und direkte Erfahrung. Begrenzter Zugang zu Ausrüstung und erfahrenen Springer:innen fördert eine Kultur aus Geduld, Engagement und gemeinschaftlichem Lernen.

2000er
Internet und Foren
Informationen und Bilder verbreiten sich international. Online Foren, Digitalkameras und Videoplattformen erleichtern den Zugang zu Wissen und tragen spektakuläre Bilder weit über die Szene hinaus.

2010er
Sichtbarkeit durch Social Media
Videoplattformen prägen die öffentliche Wahrnehmung. Spektakuläre Aufnahmen erreichen neue Zielgruppen, zeigen aber oft den Sprung deutlicher als die Vorbereitung dahinter.

2020er
Moderne BASE Szene
Reisen, Technologie und Medien verbinden Athlet:innen weltweit. Trotz neuer Ausrüstung und Kommunikationsformen bleiben Schwerkraft, Wetter, Gelände und menschliche Entscheidungen entscheidend.

Sehr begrenzte Zeit
3'000-4'000 m
01
Höhe beim Skydiving
Beim Fallschirmspringen verlässt man ein Flugzeug meist auf rund 3'000-4'000 Metern. Diese Höhe schafft ein längeres Zeitfenster für Körperposition, Orientierung und Schirmöffnung. Der Schirm wird normalerweise etwa auf 1'000 Metern geöffnet.
02
Mehr verfügbare Reserve
Es gibt mehr Höhe, mehr Zeit und normalerweise einen Hauptschirm sowie einen Reserveschirm. Skydiving-Systeme enthalten zudem häufig ein AAD, einen Öffnungsautomaten, der unter bestimmten Notfallbedingungen die Reserve auslösen kann.
- Mehr Zeit zum Reagieren
- Haupt- und Reserveschirm
- AAD als Backup-System
03
Höhe beim BASE Jumping
Beim BASE Jumping liegt der Absprungpunkt oft nur wenige hundert Meter über dem Boden. Gelände, Objekt und Landezone sind vom Absprung an sehr nah.
04
Entscheidungsdruck
Das bedeutet: sehr wenig Reaktionszeit. Entscheidungen zu Wetter, Ausrüstung, Absprungtechnik und Landeplanung müssen vor dem Sprung getroffen werden.
Ein Fehler hat deutlich weniger Raum, um sicher korrigiert zu werden.
05
Alles verändert sich
Das verändert alles: Ausrüstung, Entscheidungen, Landemöglichkeiten und Sicherheitskultur. Die folgende Tabelle fasst die praktischen Unterschiede hinter diesem Druck zusammen.
Vergleich im Überblick
Absprungplattform
- Skydiving
- Flugzeug
- BASE Jumping
- Festes Objekt
Typische Höhe
- Skydiving
- 3'000-4'000 m
- BASE Jumping
- 50-1'000 m
Fallschirmsystem
- Skydiving
- Haupt- und Reserveschirm
- BASE Jumping
- Meist ein einzelner Schirm
Landeumgebung
- Skydiving
- Grosse Landezonen
- BASE Jumping
- Oft kleine oder komplexe Landezonen
Entscheidungszeit
- Skydiving
- Mehr Zeit zum Reagieren
- BASE Jumping
- Sehr begrenzte Zeit
01
Schirm
Die meisten BASE Systeme nutzen einen einzelnen Schirm, der auf Öffnungen in geringer Höhe ausgelegt ist. Er ist meist grösser, stabiler und soll schnell sowie berechenbar öffnen.
02
Container
Der Container hält den Schirm und ist leicht, stromlinienförmig und robust genug für anspruchsvolle Bedingungen an festen Objekten konstruiert.
03
Pilot Chute
Ein kleiner Hilfsschirm, der den Hauptschirm aus dem Container zieht. Je nach Sprung kann er in der Hand gehalten, verstaut oder unterstützt ausgelöst werden.
04
Helm
Helme gehören nahezu überall zum Standard und sind Teil der Schutzausrüstung für Gelände, Strukturen und begrenzte Landezonen.
05
Optional: Tracking Suit oder Wingsuit
Bei längeren Freifallphasen können sie Aerodynamik und horizontale Bewegung vor der Schirmöffnung verbessern, erhöhen aber auch Komplexität und Risiko.
06
Optional: Protektoren
Rückenprotektoren, Kniepolster, Knöchelstützen oder stossfeste Kleidung können je nach Gelände, Disziplin und Landeumgebung eingesetzt werden.
Disziplinen Galerie
Disziplinen im BASE Jumping

01
Klassisches BASE / Slick
Die Grundlage des Sports: ein festes Objekt verlassen, den freien Fall kontrollieren und den Fallschirm vor der Landung sicher öffnen. Im Mittelpunkt stehen Vorbereitung, Schirmkontrolle und Entscheidungsfindung statt akrobatischer Leistung.
02
Tracking
Eine Form des menschlichen Fliegens, bei der Athlet:innen durch Körperhaltung oder spezielle Tracking Suits horizontale Distanz im freien Fall aufbauen. Ziel ist es, sich aktiv vom Objekt wegzubewegen und dabei Aerodynamik, Körperkontrolle und Gelände zu verstehen.

03
Wingsuit BASE
Kombiniert einen Wingsuit mit einem BASE Fallschirmsystem. Der Wingsuit erzeugt Auftrieb und ermöglicht längere Gleitflüge vor der Schirmöffnung, zählt aber auch zu den technisch anspruchsvollsten Bereichen des Sports.

04
Aerials und Akrobatik
Einige Athlet:innen führen vor der Schirmöffnung Saltos, Drehungen oder andere akrobatische Manöver aus. Diese Sprünge erfordern präzises Timing, Körperkontrolle und gutes Höhenbewusstsein.

05
Urban BASE
Sprünge von Gebäuden oder anderen urbanen Strukturen, bei denen Zugang, Wind, Hindernisse und Landezonen komplexe Bedingungen über den eigentlichen Sprung hinaus schaffen.

06
Sprünge von niedrigen Objekten
Nicht jeder BASE Sprung beinhaltet längeren freien Fall. Sehr niedrige Objekte erfordern spezielle Öffnungstechniken für eine möglichst schnelle Schirmentfaltung sowie sorgfältige Vorbereitung und präzise Ausrüstungskonfiguration.

07
Mehrpersonen Sprünge
Zwei oder mehr Athlet:innen verlassen gemeinsam das Objekt und koordinieren Bewegungen, Formationen oder gemeinsame Flugwege. Kommunikation, Planung und Vertrauen sind dabei zentral.

08
Ski BASE
Ein:e Skifahrer:in verlässt eine Felswand oder Bergflanke und öffnet nach dem Absprung den Fallschirm. Die Disziplin verbindet alpines Skifahren, Geländebeurteilung und BASE spezifische Öffnungstechniken.

09
Tandem BASE
Eine hochspezialisierte Form, bei der zwei Personen mit einem Fallschirmsystem springen. Sie ist selten, stark kontrolliert und erfordert sehr erfahrene Ausrüstungskonfiguration und Entscheidungsfindung.
Sicherheitshierarchie
Risiko und Sicherheitskultur
- 01Ausrüstung
- 02Training
- 03Erfahrung
- 04Entscheidungsfähigkeit
Ausrüstung ist wichtig. Entscheidungsfähigkeit ist entscheidend.
Geteilte Verantwortung
Gemeinschaft und Ethik
BASE Jumping reicht über einzelne Athlet:innen hinaus. Jede Entscheidung ist Teil eines grösseren Ökosystems.
- 01
Mentor:innen
Geben Ortswissen, Erfahrungswerte und Standards für eine verantwortungsvolle Entwicklung weiter.
- 02
Athlet:innen
Tragen Verantwortung für Vorbereitung, Urteilsvermögen und die Folgen ihrer Entscheidungen.
- 03
Community
Formt informelle Regeln zu Lernen, Zurückhaltung, Respekt und gegenseitiger Verantwortung.
- 04
Grundeigentümer :innen
Beeinflussen Zugang durch Vertrauen, lokale Beziehungen und Erwartungen an respektvolles Verhalten.
- 05
Öffentlichkeit
Nimmt den Sport über Bilder und Geschichten wahr. Darstellung wird dadurch Teil der Ethik.
Damals und Heute
Moderne Entwicklungen
1980er
- VHS und Filmarchive
- Mündliche Weitergabe
- Lokales Mentoring
- Begrenzte Sichtbarkeit
Heute
- Action Kameras und sofortige Veröffentlichung
- Globale Plattformen und Messaging Gruppen
- BASE Schulen und Ausbildungen auf der ganzen Welt
- Globale Publika und Sponsorenaufmerksamkeit
Quellen & Weiterführende Literatur
Diese Seite dient ausschliesslich der Information und Einordnung des Sports. Sie stellt keine Anleitung zur Ausübung von BASE Jumping dar.
Die Inhalte dieser Seite basieren auf historischen Publikationen, Sicherheitsliteratur, wissenschaftlichen Quellen sowie Recherchen, die im Rahmen dieses Projekts durchgeführt wurden.
Ziel dieser Seite ist es, einen informativen Überblick über den Sport BASE Jumping zu vermitteln und dessen historischen, kulturellen und sicherheitsrelevanten Kontext einzuordnen. Die Inhalte stellen keine Anleitung oder Ausbildung für die Ausübung des Sports dar.
Zentrale Quellen
- Gerdes, M. (2018). The Great Book of BASE (3. Auflage).
- Boenish, C. - Historische Publikationen und Archivmaterialien.
- Brymer, E. (2005). Extreme Sports: A Positive Transformation in Courage and Humility.
- Zeitgenössische Fachpublikationen und Bildungsressourcen zum BASE Jumping.
- Interviews und Beobachtungen aus der Produktion von 'Falling for Fame?'.
Für vertiefende Informationen empfehlen wir die Auseinandersetzung mit historischen Quellen, sicherheitsorientierter Literatur, wissenschaftlichen Arbeiten sowie Erfahrungsberichten aus der BASE Gemeinschaft.



