Sportkontext

Über den Sport

Ein paar Sekunden freier Fall. Jahre der Vorbereitung.

BASE Jumping ist ein Sport, der von Hingabe, Präzision und Konsequenz geprägt ist. Um die Geschichten dieser Dokumentation zu verstehen, hilft es, zuerst die Kultur, Geschichte und Realität des Sports selbst zu verstehen.

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BASE

Was ist BASE Jumping?

BASE Jumping bedeutet, mit dem Fallschirm von festen Objekten statt aus Flugzeugen zu springen. Anders als beim Fallschirmspringen, bei dem Sprünge in grosser Höhe beginnen, finden BASE Sprünge oft deutlich näher an Gelände, Strukturen und Hindernissen statt.

Die verkürzte Zeit nach dem Absprung lässt nur wenig Spielraum für Fehler und erfordert umfangreiche Vorbereitung, spezialisierte Ausrüstung und fundierte Entscheidungen.

Auch wenn viele Beteiligte vom Abenteuer, der Herausforderung und dem Erkunden neuer Orte angezogen werden, bleibt BASE Jumping eine der risikoreichsten Freizeitaktivitäten der Welt.

Wofür BASE steht

  1. 01

    B

    Building

    Gebäude und urbane Strukturen, bei denen Zugang, Wind und Landezonen komplexe Bedingungen schaffen.

  2. 02

    A

    Antenna

    Antennen und Sendemasten, die häufig stark von Wetter und Zugangsmöglichkeiten geprägt sind.

  3. 03

    S

    Span

    Brücken und ähnliche Spannweiten mit sehr unterschiedlichen Höhen, Luftströmen und Landeoptionen.

  4. 04

    E

    Earth

    Felswände, Berge und natürliche Formationen, die besonders das alpine BASE Umfeld prägen.

Historische Entwicklung

Geschichte des BASE Jumpings

  1. 1783

    Frühe Fallschirmexperimente

    Fallschirmideen existieren lange vor dem modernen Sport. Bereits seit Jahrhunderten experimentierten Menschen mit Sprüngen von Türmen, Felswänden oder Ballons.

    Historische Illustration eines frühen Fallschirmexperiments.
  2. 1970er

    Carl Boenish

    Ein Fallschirmspringer, Filmemacher und Pionier macht aus einzelnen Objektsprüngen eine erkennbare Aktivität. Seine Filme und seine Organisationsarbeit prägen die frühe Szene.

    Schwarz-Weiss-Porträt eines Fallschirmspringers mit Helm und Ausrüstung.
  3. 1978

    El Capitan

    Eine Serie von Sprüngen im Yosemite mit modernen Flächenfallschirmen wird zum Ursprungspunkt. Diese El-Capitan-Sprünge gelten häufig als Geburtsstunde des modernen BASE Jumpings.

    El Capitan im Yosemite, ein wichtiger Ort der BASE-Jumping-Geschichte.
  4. 1981

    BASE Number System

    Die vier Objektkategorien werden Teil der Identität des Sports. Wer Building, Antenna, Span und Earth absolviert hatte, konnte eine offizielle BASE Nummer beantragen, eine Tradition, die bis heute besteht.

    Illustration mit Building, Antenna, Span und Earth als BASE-Objekten.
  5. 1990er

    Kleine Szene wächst

    Wissen zirkuliert über Mentoring, persönliche Netzwerke und direkte Erfahrung. Begrenzter Zugang zu Ausrüstung und erfahrenen Springer:innen fördert eine Kultur aus Geduld, Engagement und gemeinschaftlichem Lernen.

    Mehrere BASE Jumper springen von einer Klippe über einem Tal ab.
  6. 2000er

    Internet und Foren

    Informationen und Bilder verbreiten sich international. Online Foren, Digitalkameras und Videoplattformen erleichtern den Zugang zu Wissen und tragen spektakuläre Bilder weit über die Szene hinaus.

    Blaue Forumsseite mit dem Titel The 2000s Forum Post Does Not Exist.
  7. 2010er

    Sichtbarkeit durch Social Media

    Videoplattformen prägen die öffentliche Wahrnehmung. Spektakuläre Aufnahmen erreichen neue Zielgruppen, zeigen aber oft den Sprung deutlicher als die Vorbereitung dahinter.

    Raster aus BASE-Jumping-Bildern und Videos aus Social Media.
  8. 2020er

    Moderne BASE Szene

    Reisen, Technologie und Medien verbinden Athlet:innen weltweit. Trotz neuer Ausrüstung und Kommunikationsformen bleiben Schwerkraft, Wetter, Gelände und menschliche Entscheidungen entscheidend.

    BASE Jumper springt von einer Plattform über einem bewaldeten Tal ab.
Basejumping vs. Skydiving

Sehr begrenzte Zeit

  1. 01

    Höhe beim Skydiving

    Beim Fallschirmspringen verlässt man ein Flugzeug meist auf rund 3'000-4'000 Metern. Diese Höhe schafft ein längeres Zeitfenster für Körperposition, Orientierung und Schirmöffnung. Der Schirm wird normalerweise etwa auf 1'000 Metern geöffnet.

  2. 02

    Mehr verfügbare Reserve

    Es gibt mehr Höhe, mehr Zeit und normalerweise einen Hauptschirm sowie einen Reserveschirm. Skydiving-Systeme enthalten zudem häufig ein AAD, einen Öffnungsautomaten, der unter bestimmten Notfallbedingungen die Reserve auslösen kann.

    • Mehr Zeit zum Reagieren
    • Haupt- und Reserveschirm
    • AAD als Backup-System
  3. 03

    Höhe beim BASE Jumping

    Beim BASE Jumping liegt der Absprungpunkt oft nur wenige hundert Meter über dem Boden. Gelände, Objekt und Landezone sind vom Absprung an sehr nah.

  4. 04

    Entscheidungsdruck

    Das bedeutet: sehr wenig Reaktionszeit. Entscheidungen zu Wetter, Ausrüstung, Absprungtechnik und Landeplanung müssen vor dem Sprung getroffen werden.

    Ein Fehler hat deutlich weniger Raum, um sicher korrigiert zu werden.

  5. 05

    Alles verändert sich

    Das verändert alles: Ausrüstung, Entscheidungen, Landemöglichkeiten und Sicherheitskultur. Die folgende Tabelle fasst die praktischen Unterschiede hinter diesem Druck zusammen.

    Vergleich im Überblick

    Absprungplattform

    Skydiving
    Flugzeug
    BASE Jumping
    Festes Objekt

    Typische Höhe

    Skydiving
    3'000-4'000 m
    BASE Jumping
    50-1'000 m

    Fallschirmsystem

    Skydiving
    Haupt- und Reserveschirm
    BASE Jumping
    Meist ein einzelner Schirm

    Landeumgebung

    Skydiving
    Grosse Landezonen
    BASE Jumping
    Oft kleine oder komplexe Landezonen

    Entscheidungszeit

    Skydiving
    Mehr Zeit zum Reagieren
    BASE Jumping
    Sehr begrenzte Zeit
  1. 01

    Schirm

    Die meisten BASE Systeme nutzen einen einzelnen Schirm, der auf Öffnungen in geringer Höhe ausgelegt ist. Er ist meist grösser, stabiler und soll schnell sowie berechenbar öffnen.

  2. 02

    Container

    Der Container hält den Schirm und ist leicht, stromlinienförmig und robust genug für anspruchsvolle Bedingungen an festen Objekten konstruiert.

  3. 03

    Pilot Chute

    Ein kleiner Hilfsschirm, der den Hauptschirm aus dem Container zieht. Je nach Sprung kann er in der Hand gehalten, verstaut oder unterstützt ausgelöst werden.

  4. 04

    Helm

    Helme gehören nahezu überall zum Standard und sind Teil der Schutzausrüstung für Gelände, Strukturen und begrenzte Landezonen.

  5. 05

    Optional: Tracking Suit oder Wingsuit

    Bei längeren Freifallphasen können sie Aerodynamik und horizontale Bewegung vor der Schirmöffnung verbessern, erhöhen aber auch Komplexität und Risiko.

  6. 06

    Optional: Protektoren

    Rückenprotektoren, Kniepolster, Knöchelstützen oder stossfeste Kleidung können je nach Gelände, Disziplin und Landeumgebung eingesetzt werden.

Disziplinen Galerie

Disziplinen im BASE Jumping

01

Klassisches BASE / Slick

Die Grundlage des Sports: ein festes Objekt verlassen, den freien Fall kontrollieren und den Fallschirm vor der Landung sicher öffnen. Im Mittelpunkt stehen Vorbereitung, Schirmkontrolle und Entscheidungsfindung statt akrobatischer Leistung.

02

Tracking

Eine Form des menschlichen Fliegens, bei der Athlet:innen durch Körperhaltung oder spezielle Tracking Suits horizontale Distanz im freien Fall aufbauen. Ziel ist es, sich aktiv vom Objekt wegzubewegen und dabei Aerodynamik, Körperkontrolle und Gelände zu verstehen.

03

Wingsuit BASE

Kombiniert einen Wingsuit mit einem BASE Fallschirmsystem. Der Wingsuit erzeugt Auftrieb und ermöglicht längere Gleitflüge vor der Schirmöffnung, zählt aber auch zu den technisch anspruchsvollsten Bereichen des Sports.

04

Aerials und Akrobatik

Einige Athlet:innen führen vor der Schirmöffnung Saltos, Drehungen oder andere akrobatische Manöver aus. Diese Sprünge erfordern präzises Timing, Körperkontrolle und gutes Höhenbewusstsein.

05

Urban BASE

Sprünge von Gebäuden oder anderen urbanen Strukturen, bei denen Zugang, Wind, Hindernisse und Landezonen komplexe Bedingungen über den eigentlichen Sprung hinaus schaffen.

06

Sprünge von niedrigen Objekten

Nicht jeder BASE Sprung beinhaltet längeren freien Fall. Sehr niedrige Objekte erfordern spezielle Öffnungstechniken für eine möglichst schnelle Schirmentfaltung sowie sorgfältige Vorbereitung und präzise Ausrüstungskonfiguration.

07

Mehrpersonen Sprünge

Zwei oder mehr Athlet:innen verlassen gemeinsam das Objekt und koordinieren Bewegungen, Formationen oder gemeinsame Flugwege. Kommunikation, Planung und Vertrauen sind dabei zentral.

08

Ski BASE

Ein:e Skifahrer:in verlässt eine Felswand oder Bergflanke und öffnet nach dem Absprung den Fallschirm. Die Disziplin verbindet alpines Skifahren, Geländebeurteilung und BASE spezifische Öffnungstechniken.

09

Tandem BASE

Eine hochspezialisierte Form, bei der zwei Personen mit einem Fallschirmsystem springen. Sie ist selten, stark kontrolliert und erfordert sehr erfahrene Ausrüstungskonfiguration und Entscheidungsfindung.

Sicherheitshierarchie

Risiko und Sicherheitskultur

  1. 01Ausrüstung
  2. 02Training
  3. 03Erfahrung
  4. 04Entscheidungsfähigkeit

Ausrüstung ist wichtig. Entscheidungsfähigkeit ist entscheidend.

Geteilte Verantwortung

Gemeinschaft und Ethik

BASE Jumping reicht über einzelne Athlet:innen hinaus. Jede Entscheidung ist Teil eines grösseren Ökosystems.

  1. 01

    Mentor:innen

    Geben Ortswissen, Erfahrungswerte und Standards für eine verantwortungsvolle Entwicklung weiter.

  2. 02

    Athlet:innen

    Tragen Verantwortung für Vorbereitung, Urteilsvermögen und die Folgen ihrer Entscheidungen.

  3. 03

    Community

    Formt informelle Regeln zu Lernen, Zurückhaltung, Respekt und gegenseitiger Verantwortung.

  4. 04

    Grundeigentümer :innen

    Beeinflussen Zugang durch Vertrauen, lokale Beziehungen und Erwartungen an respektvolles Verhalten.

  5. 05

    Öffentlichkeit

    Nimmt den Sport über Bilder und Geschichten wahr. Darstellung wird dadurch Teil der Ethik.

Damals und Heute

Moderne Entwicklungen

1980er

  • VHS und Filmarchive
  • Mündliche Weitergabe
  • Lokales Mentoring
  • Begrenzte Sichtbarkeit

Heute

  • Action Kameras und sofortige Veröffentlichung
  • Globale Plattformen und Messaging Gruppen
  • BASE Schulen und Ausbildungen auf der ganzen Welt
  • Globale Publika und Sponsorenaufmerksamkeit

Quellen & Weiterführende Literatur

Diese Seite dient ausschliesslich der Information und Einordnung des Sports. Sie stellt keine Anleitung zur Ausübung von BASE Jumping dar.

Die Inhalte dieser Seite basieren auf historischen Publikationen, Sicherheitsliteratur, wissenschaftlichen Quellen sowie Recherchen, die im Rahmen dieses Projekts durchgeführt wurden.

Ziel dieser Seite ist es, einen informativen Überblick über den Sport BASE Jumping zu vermitteln und dessen historischen, kulturellen und sicherheitsrelevanten Kontext einzuordnen. Die Inhalte stellen keine Anleitung oder Ausbildung für die Ausübung des Sports dar.

Zentrale Quellen

  • Gerdes, M. (2018). The Great Book of BASE (3. Auflage).
  • Boenish, C. - Historische Publikationen und Archivmaterialien.
  • Brymer, E. (2005). Extreme Sports: A Positive Transformation in Courage and Humility.
  • Zeitgenössische Fachpublikationen und Bildungsressourcen zum BASE Jumping.
  • Interviews und Beobachtungen aus der Produktion von 'Falling for Fame?'.

Für vertiefende Informationen empfehlen wir die Auseinandersetzung mit historischen Quellen, sicherheitsorientierter Literatur, wissenschaftlichen Arbeiten sowie Erfahrungsberichten aus der BASE Gemeinschaft.